Hinter Werbung wie „Wir kaufen Ihr Haus“ stehen sehr unterschiedliche Anbieter: echte Käufer, die mit eigenem Kapital Immobilien erwerben, aber auch Vermittler und Portale, die Ihre Kontaktdaten sammeln und an Makler oder Investoren weiterreichen. Die Formulierung selbst sagt nichts darüber aus, wer am Ende kauft. Ob ein Angebot ernst gemeint ist, erkennen Sie daran, ob der Anbieter offenlegt, wer er ist, wer das Geld bereitstellt und was er mit Ihrer Immobilie vorhat.

Die vier häufigsten Modelle

Der direkte Käufer. Ein Unternehmen oder eine Privatperson kauft selbst, um zu vermieten oder nach einer Sanierung weiterzuverkaufen. Hier sitzen Sie dem tatsächlichen Käufer gegenüber, und er wird im Kaufvertrag als Käufer stehen.

Der Weiterreicher. Ein Anbieter tritt als Käufer auf, sucht aber nach Ihrer Zusage einen Abnehmer, an den er den Vertrag weitergibt oder an den er vermittelt. Erkennbar ist das oft an Klauseln, die einen „noch zu benennenden Käufer“ vorsehen, oder an langen Fristen bis zum Notartermin.

Das Lead-Portal. Sie füllen ein Formular aus, bekommen vielleicht eine automatische Preisspanne, und kurz darauf melden sich mehrere Makler oder Investoren. Das Portal selbst kauft nicht, es verkauft Kontakte. Für Sie ist das nicht zwangsläufig schlecht, Sie sollten es aber wissen.

Der Makler mit Ankaufsversprechen. Manche Makler werben mit Ankauf, um Eigentümer zu gewinnen, und bieten dann einen klassischen Maklerauftrag an. Auch das ist zulässig, solange es transparent geschieht.

Woran Sie erkennen, mit wem Sie sprechen

Stellen Sie drei Fragen gleich zu Beginn und bestehen Sie auf klaren Antworten.

Wer wird im Kaufvertrag als Käufer stehen? Lassen Sie sich Firmenname, Sitz und Handelsregisternummer geben und schauen Sie im gemeinsamen Registerportal der Länder nach. Ein frisch gegründetes Unternehmen ohne erkennbare Geschäftstätigkeit ist kein Ausschlussgrund, aber ein Anlass für Nachfragen.

Woher kommt das Geld? Ein Käufer, der behauptet, ohne Bank zu kaufen, kann das mit einer Bestätigung seiner Bank oder einem Kapitalnachweis belegen. Fordern Sie einen solchen Nachweis spätestens vor dem Notartermin an.

Verlangt der Anbieter Geld oder eine Bindung von Ihnen? Ein echter Käufer bezahlt Sie, nicht umgekehrt. Gebühren für eine Bewertung, Reservierung oder „Bearbeitung“ sind ein Warnsignal; woran Sie seriöse Käufer erkennen, steht unter Seriöse Immobilienankäufer erkennen.

Werbung im Briefkasten und am Telefon

In Leipzig finden viele Eigentümer handgeschriebene oder gedruckte Zettel im Briefkasten, auf denen eine Familie oder ein Investor „dringend“ ein Haus im Viertel sucht. Manche davon sind echt, viele stammen von gewerblichen Anbietern, die so Kontakte gewinnen. Werbeanrufe ohne Ihre vorherige ausdrückliche Einwilligung sind nach § 7 Abs. 2 Nr. 1 UWG unzulässig. Werden Sie trotzdem angerufen, ist das bereits ein Hinweis darauf, wie der Anbieter mit Regeln umgeht.

Ihre Daten im Online-Formular

Online-Ankaufsformulare fragen oft Adresse, Telefonnummer, Zustand, Belastungen und sogar Ihre persönliche Situation ab. Bevor Sie das ausfüllen, lohnt ein Blick in die Datenschutzerklärung: Steht dort, dass Daten an „Partner“ übermittelt werden, rechnen Sie mit mehreren Anrufen. Sie können eine erteilte Einwilligung nach Art. 7 Abs. 3 DSGVO jederzeit widerrufen und nach Art. 15 DSGVO Auskunft über die Empfänger verlangen.

Geben Sie nur an, was für eine erste Einschätzung nötig ist. Angaben zu Schulden, Trennung oder Krankheit braucht niemand für eine Preisspanne, sie schwächen höchstens Ihre Verhandlungsposition.

Wie Sie mit einem solchen Angebot umgehen

Ein Ankauf ist kein Gefallen, den Ihnen jemand erweist, sondern ein Geschäft, mit dem der Käufer Geld verdienen will. Das ist legitim. Es bedeutet aber, dass sein Interesse an einem niedrigen Preis Ihrem Interesse an einem hohen Preis gegenübersteht, ganz gleich, wie freundlich die Werbung klingt. Wer Ihnen das offen sagt, ist meist der angenehmere Verhandlungspartner.

Nehmen Sie das Angebot als einen möglichen Weg, nicht als Ihren einzigen. Wenn der Anbieter seine Identität offenlegt, das Objekt besichtigt, Unterlagen prüft und Ihnen ein konkretes Angebot macht, haben Sie eine echte Verhandlungsgrundlage. Vergleichen Sie es mit dem Marktwert und, wenn möglich, mit einem zweiten Angebot. Worauf Sie dabei im Einzelnen achten sollten, fasst Seriöse Immobilienankäufer erkennen zusammen.